
Alice Schorbach |
PRESSETEXT: Alice Schorbach - Temperamalerei 26. Juni – 30. August 2003
Die Baukunst-Galerie zeigt in ihrem ersten Projekt mit der Künstlerin Alice Schorbach eine Einzelausstellung mit Werken der Künstlerin aus den letzten zwölf Jahren. Insgesamt sind 15 ihrer Wandarbeiten verschiedenster Formate zu sehen. Die erste Ausstellung der Künstlerin in Deutschland seit 1980 wird von Frau Dr. Ulli Seegers mit einer einleitenden Rede eröffnet.
Alice Schorbach wurde 1940 in Kassel geboren. 1956 ging sie nach Toronto, Kanada, um dort ein Studium am Ontario College of Art zu absolvieren. 1960 kam sie nach Europa zurück und zog nach Köln, bevor sie 1970 in die Niederlande übersiedelte. Seitdem lebt und arbeitet die Künstlerin in Amsterdam, unterbrochen von einem längeren Aufenthalt in New York 1987-88. 1977 war Alice Schorbach auf der documenta 6 in Kassel vertreten. Ihre Arbeiten sind seitdem bereits in verschiedensten Ausstellungen präsentiert worden. Zuletzt waren ihre Arbeiten beispielsweise 1997 im Rahmen der Ausstellung „radicaal beeld“ im Stedelijk Museum in Schiedam, NL und 2000 im Mondrianhuis - Museum voor Constructive & Concrete Kunst in Amersfoort, NL zu sehen.
Alice Schorbachs künstlerisches Werk ist zwischen monochromer Malerei und Plastik anzusiedeln: Die Gemälde Schorbachs besitzen den Charakter von Reliefs, es sind dreidimensionale Wandinstallationen: Mit Leinen oder Polyesterleinen überzogene, streng rechtwinklige Holzpaneele, deren unterschiedliche Tiefen bis zu 20 cm erreichen. In einigen Installationen sind die Paneele aufeinandergesetzt und bilden so komplexe geometrische Strukturen, andere Paneele stehen als einzelne Elemente nebeneinander.
Alice Schorbachs künstlerische Arbeit ist eng mit der Architektur verbunden. Die Arbeiten sind in einen Bezug zum jeweils umgebenden Raum gesetzt. So ist ein eigens für die Räumlichkeiten der Baukunst-Galerie erdachtes Konzept der Künstlerin Grundlage der Ausstellungspräsentation. Der Umgang mit Räumlichkeit ist eine wichtige Variante in Schorbachs künstlerischem Schaffen. Raum, Volumina und ihre vom Licht abhängige Wirkung sind wichtige Elemente in ihrem Oeuvre. Sie verbinden sich mit dem Einsatz von Farbe:
Schorbachs Oeuvre erkundet die Wirkung und Wahrnehmung von Farbe. Die Vorder- sowie die Randseiten der ‚Bildkästen‘ sind als einzelne Bildflächen sorgfältig mit Eitempera bemalt, einer kostbaren, natürlichen Farbsubstanz, an altmeisterliche Tafelbilder erinnernd, die einen besonderen Glanz und eine ausdrucksvolle Leuchtkraft der Farbe erreicht.
Nachdem die Künstlerin in den mit dem Zusammenstellen verschieden farbiger Flächen begonnen hatte, besitzen ihre Arbeiten seit Anfang der 90er Jahre nur noch auf den Randseiten eine starke Farbigkeit. Die Farbe scheint von den Vorderseiten, die in Weißtönen bemalt sind, vollständig gewichen. Doch Schorbach hat den weißen Temperaflächen jeweils feinste Nuancen einer Farbigkeit mitgegeben. Dem Wechselspiel des Tageslichtes ausgesetzt, leuchten auf diesen hellen Vorderflächen der Arbeiten weitere Farben auf, denn neben farbigen Kanten beginnt das Weiß, in derselben feinen, sanften Farbigkeit zu schimmern. Die Reliefs entwickeln eine immaterielle Ausstrahlung. Veränderungen des Lichtes lassen zudem Bewegung und Dynamik zu einem Teil der Arbeiten werden.
Schorbachs Arbeit kann eingeordnet werden in die Kunst der Minimal Art, die seit Ende der 1960er Jahre jede figurative Andeutung aus der Bildwelt verbannte, rein Form und Farbe zum Thema machte und sie zu autonomen Inhalten der Kunst erhob.Alice Schorbachs Wandinstallationen zeichnen sich durch die Verbindung verschiedenster Elemente aus: Das subtile Zusammenspiel der Ebenen des Zwei- und Dreidimensionalen, von Licht, Material und Form, von farbigen und weißen Flächen. Ihre Arbeiten besitzen einen zurückhaltenden und meditativen Charakter und erlauben gleichzeitig intensive Wahrnehmungerlebnisse.