Baukunst Galerie



Bild:

Barbara Roth
Ohne Titel, 2003
Collage, Nitrodruck auf säurefreiem Papier
29,7 x 42 cm
6 Exemplare


Die Baukunst Galerie eröffnet am Mittwoch, dem 1. Juni 2005 von 18.00 bis 21.00 Uhr mit einer Einführung von Sibylle Omlin, Kunstwissenschaftlerin, Zürich, eine große Einzelschau mit neuen Arbeiten der Schweizer Künstlerin und Bildhauerin Barbara Roth: Aktuelle Skulpturen aus Chromstahl und Messing werden im Garten der Galerie gezeigt, neue Objekte aus Holz sowie Papierarbeiten werden im Ausstellungsraum zu sehen sein. Erstmalig wurde das plastische Werk der Bildhauerin in einer Ausstellung gemeinsam mit dem Bildhauer Gunter Frentzel in der Baukunst Galerie in Köln im Sommer 2000 gezeigt, 2001 schloß sich eine Ausstellung in der Kölner Trinitatiskirche an.
Barbara Roth wurde 1950 in Basel geboren. Nach einem Architekturstudium 1971-74 an der ETH Zürich absolvierte sie 1979-80 eine Ausbildung bei dem Bildhauer Peter Meister in Zürich. Roth gewann bisher zahlreiche Kunststipendien und realisierte eine Reihe von Arbeiten im öffentlichen Raum. Ihr Werk wurde bereits in einigen Einzelausstellungen u.a. 1997 in der Galerie Kornfeld, Zürich, 2000 in der Stiftung für Eisenplastik, Sammlung Dr. Hans Koenig, Zollikon, und zuletzt 2004 in der Galerie für zeitgenössische Kunst „die Halle“ in Langnau a. Albis (CH) gezeigt. Barbara Roth lebt und arbeitet in Zürich.
Barbara Roth thematisiert in ihrem künstlerischen Werk visionäre und reale Raumentwürfe. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten lassen sich dabei in drei Werkgruppen gliedern: Große Metallskulpturen, die zwischen Plastik und Architektur angesiedelt sind, Boden- und Wandobjekte aus Holz sowie Papierarbeiten:
Schon in ihren Metallskulpturen, die seit 1993 entstanden sind, spielt Barbara Roth mit Andeutungen. Ihre Plastiken sind eher Verweis auf Vorstellungswelten als klare Architekturen. Zunächst auf Federdraht oder Kupfer zurückgreifend, verwendet Roth in ihren aktuellen Metallskulpturen auch glänzenden Chromstahl oder grün patinierten Messing. Ihre aus dünnen Stangen konstruierten Plastiken wirken, da ihnen jede Massivität fehlt, wie filigrane Zeichnungen im Raum. Roth demonstriert, daß Beschränkung ins Weite führen kann: Die Linien können sich beim Betrachter zu einer Vorstellung von Architekturen verbinden, die sich jedoch bei jedem Perspektivenwechsel verändern kann. Durch dieses Spiel mit der Wahrnehmung können die Arbeiten der Künstlerin Anstoß geben, die eigenen Sehgewohnheiten bewußt zu überprüfen.
Auch die neuen Holzobjekte Roths, die in den letzten drei Jahren zu ihren Metallplastiken hinzugekommen sind, stellen den Betrachter vor Fragen: Die Zeichnungen mit schwarzem Pigment auf gewachsten Holztafeln und Gruppierungen von Holzquadern verschiedener Größe und Bemalung erinnern einerseits an architektonische Pläne oder städtebauliche Modelle, lassen aber auch an Spielflächen denken: Mit Titeln wie „Spielbrett“ oder „Schachbrett“ wird diese letztere Assoziation unterstützt. Arbeiten mit Titeln wie „traffic“, „Raumkomplex“ oder „Strömungen“ hingegen scheinen auf das Festhalten realer Gegebenheiten oder projektierter Gestaltungen zu verweisen.
Roths Zeichnungen, die in zartem Linienspiel Konstruktionen andeuten, werden in jüngster Zeit ergänzt durch collagierte Papierarbeiten, die durch Nitrodruckverfahren jeweils per Hand auf ein Blatt geprägt werden. Fragmente alter Pläne mischen sich mit Symbolen aus der Zeichenwelt von Skizzen und architektonischen Entwürfen wie Pfeilen oder Grenzlinien.
Barbara Roths Arbeiten lassen eine Zwischenebene zwischen Realität und einer Welt der Vorstellungen und des Spiels aufscheinen, die zwischen direkter Nutzbarkeit und der Verschlossenheit gegenüber realen Deutungen oder einer unmittelbaren Umsetzbarkeit angesiedelt ist. Sie fordern Offenheit für das „spielerische“ Eintreten in nicht reale Dimensionen. Es sind Vexierbilder und gleichzeitig Architekturen eigener Welten, welche unsere Wahrnehmung ebenso wie unser umfassendes Ordnen, Gestalten, Entwerfen und Konstruieren unserer Lebenswelt hinterfragen.





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