Baukunst Galerie



Bild:

Brad Lochore
Rough 1, 2010
Öl auf Leinwand
154 x 106 cm
signiert


Die Baukunst Galerie zeigt vom 27. Januar bis 8. April 2011 die erste große Einzelausstellung des britischen Künstlers Brad Lochore in Deutschland. Die Vernissage findet am Mittwoch, den 26. Januar 2011 von 18 bis 20 Uhr statt. Die Eröffnungsrede hält Prof. Dr. Guido Reuter, Professor für Kunstgeschichte an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Ausstellung umfasst eine pointierte Auswahl seiner Shadow, Grid und Rough Paintings, sowie inkjet prints. Sie bietet einen Überblick der in den letzten fünf Jahren entstandenen Werke, wobei der Schwerpunkt auf Lochores jüngst entstandenen Roughs liegt.

Brad Lochore wurde 1960 in Wellington, Neuseeland, geboren. Mit 17 Jahren ging er nach England, wo er von 1985 bis 1989 an der Byam Shaw School of Art in London studierte. Kurz nach seinem Abschluss lernte er Gerhard Richter kennen, der ihn einlud, seine Klasse an der Kunstakademie Düsseldorf zu besuchen. 1990 kehrte er nach London zurück, wo er 1992 seinen Master in Fine Arts am Goldsmith College erlangte. Seit seiner Teilnahme an der Ausstellung Young British Artists IV in der Saatchi Gallery im Jahr 1995 wurden seine Bilder in England und verschiedenen europäischen Ländern, sowie in den USA, in Japan, und Neuseeland ausgestellt.

Brad Lochore arbeitet mit Licht und Schatten, Illusionen, Chimären und Raumbezügen und lässt sich dabei nicht nur von moderner Filmtechnik, sondern auch von der altmeisterlichen Malweise inspirieren.
Er beschäftigt sich in seinen Bildern mit dem erkenntnistheoretischen Problem der dargestellten und der wahrgenommenen Realität. Seine Bilder führen zu einer systematischen Verunsicherung des Betrachters: Was sehe ich? Sehe ich, was ich sehe? Sehe ich, was dargestellt ist? Ist das, was ich sehe, identisch mit dem, was dargestellt ist? Lochores Bilder der Shadow Serie scheinen Schatten zu sein, doch stellen sie nur Schatten von Objekten dar, die er in seinem Atelier inszeniert hat. Der Betrachter meint, einen Schatten zu sehen, doch sieht er nur einen gemalten Schatten. Aus dem Zusammenspiel von schattenwerfendem Objekt und Licht entsteht der Schatten, der immateriell ist. Was wir also bei Lochore sehen, ist demnach kein wirklicher Schatten, sondern die Darstellung eines Schattens, der durch die Projektion auf die Leinwand übertragen und hier zum Objekt und somit objektiviert wird.

Lochores großformatige Grid Paintings thematisieren auch den Schatten, doch zeigen sie Ausschnitte von Fenstern und Rastern, die aus ihrem räumlichen Zusammenhang gerissen und auf die Leinwand übertragen wurden. In der Galerie werden diese Bilder in einen neuen räumlichen Bezug gestellt und lassen aufgrund ihrer Größe und Länge den Betrachter in cineastische Situationen tauchen. Brad Lochore hat fünf Jahre lang Filmsets entworfen und hergestellt. Er bedient sich der Technik der Täuschung und der Fiktion, der Darstellung von Realitäten und reflektiert in seinen Werken über das Verhältnis von Fiktion und Realität. Man denkt unweigerlich an Platons Höhlengleichnis: Dort halten die in der Höhle Gefangenen die Schatten für die Wirklichkeit. Lochore bietet keine Lösungen, sondern macht Probleme des Scheins, der Täuschung, des Irrtums erfahrbar.

Seine Rough Paintings zeigen glänzende, reflektierende Oberflächen, die den Anschein erwecken, als handle es sich um eine Folie, die über die Leinwand gespannt wurde. Im Unterschied zu den Shadows, die eine sanfte, gleichmäßige und an Fotografie erinnernde Oberfläche aufweisen, zeigen die Roughs grobe und rauhe Pinselstriche, die aus der Distanz betrachtet nicht wahrgenommen werden. Seine Bilder sind wie Filmsets, die Realitäten vortäuschen. Lochore sagt, dass er versuche, die Phänomenologie der Wahrnehmung von Maurice Merleau-Ponty, die auch grundlegend für die Minimal Art war, auf die zweidimensionale Ebene der Malerei anzuwenden. Es ist schwierig, das Gesehene als ein gemaltes Bild wahrzunehmen, da es eine gewisse Art von Bewegung und Haptik impliziert. Form und Inhalt, Objekt und Bild, Wahrheit und Realität, Sein und Schein bergen Anwesenheit und gleichzeitige Abwesenheit des Dargestellten und geben eine Illusion vor, die nur im Zusammenspiel mit dem Betrachter funktioniert. Theodor W. Adorno, dessen Philosophie sich Lochore ebenso verpflichtet fühlt, hat diesen Grundzug des Kunstwerks folgendermaßen charakterisiert: "Schein sind die Kunstwerke dadurch, dass sie dem, was sie selbst nicht sind, sein können, zu einer Art von zweitem, modifizierten Dasein verhelfen; Erscheinung, weil jenes Nichtseiende an ihnen, um dessentwillen sie existieren, vermöge der ästhetischen Realisierung zu einem wie immer auch gebrochenen Dasein gelangt." (Adorno, Ästhetische Theorie)








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