
Gunter Frentzel |
PRESSETEXT: Gunter Frentzel - Skulpturen 10. September – 22. Oktober 2003
Die Baukunst Galerie eröffnet am Mittwoch, den 10. September 2003 mit einer Einführung von Dr. Bernhard Fibicher, Direktor der Kunsthalle Bern, eine Ausstellung mit neuen Skulpturen des Schweizer Künstlers Gunter Frentzel. Installationen Frentzels waren bereits im Sommer 2000 in einer Gruppenausstellung in der Baukunst-Galerie zu sehen. Seine neuen Arbeiten werden nun erstmalig in einer großen Einzelschau gezeigt, die sowohl im Garten als auch in den Innenräume der Galerie stattfindet.
Gunter Frentzel wurde 1935 in Berlin geboren. Nachdem er 1956 an der Kunstschule Wiesbaden sein Diplom als Bildhauer gemacht hatte, verlegte er 1960 seinen Wohnsitz in die Schweiz, wo er seitdem lebt und arbeitet. Seine Plastiken sind im Besitz internationaler Sammlungen, Werke Frentzels sind in verschiedensten Städten im öffentlichen Raum installiert, sein Werk ist bereits in zahlreichen Ausstellungen gezeigt worden: Einzelausstellungen präsentierten sein Oeuvre zum Beispiel 1987-88 im Centre Culturel Suisse in Paris sowie 1990 im Kunstmuseum Solothurn und der Kunsthalle Winterthur. 1990 wurden seine Arbeiten im Rahmen der Ausstellung „Transformations“ im Musée d’Art Moderne et Contemporain (MAMCO), Genf und der Gulbenkian-Foundation, Lissabon gezeigt. Zuletzt waren Plastiken des Künstlers 2002 im Kunstmuseum Solothurn zu sehen, zudem war er bei der Schweizer „Expo 02“ mit einer Monumentalskulptur vertreten. Gunter Frentzels bevorzugte Materialien für seine Plastiken sind Vierkantstäbe aus Eisen oder Chromstahl. Die spröden, unprätentiösen Metallstäbe werden in verschiedensten Varianten gestapelt oder aneinander gelehnt aufgerichtet und auf diese Weise in sich geschlossene Plastiken geschaffen.
Statische Gesetze werden in den Arbeiten Frentzels bis an ihre Grenzen ausgereizt: Bedeutsames Charakteristikum seiner Arbeiten ist, daß die einzelnen Module nirgends durch Verschweißen oder andere technische Hilfsmittel verbunden, die Eisenstäbe verschiedenster Länge lediglich geschichtet sind. Frentzels Arbeiten erforschen die Frage, wie weit sich Gewicht und Masse des Materials durchsetzen kann gegen die Verschiebungen und Schräglagen, die der Künstler ihm zumutet.
So besteht beispielsweise eine neue, monumentale Arbeit Frentzels, ein ca. 1,40 m hoher Kubus, aus 173 dünnen Eisenstäben, die geschichtet, nicht anderweitig untereinander befestigt sind. Bei der Schichtung der Stäbe werden diese an den gegenüberliegenden Ecken jeweils um ihren Durchmesser nach innen verschoben: Dieses Bauprinzip evoziert den Eindruck, daß die Ecken zusammenzustürzen bzw. auseinanderzufallen drohen - gleichzeitig erhöht es jedoch bis zu einer bestimmten Höhe die Stabilität der Skulptur.
Die Installationen Frentzels sind durch die Einfachheit ihres Bauplans und ihre gleichzeitig oft höchst komplexe Wirkung geprägt. Viele Arbeiten des Künstlers spielen mit ihrer nur scheinbar schnell durchschaubaren Anordnung, durch die Verschiebungen der Perspektive offenbaren sich von unterschiedlichen Standorten immer neue Ansichten. Frentzels Konstruktion erscheinen nicht nur beunruhigend instabil, oft ist ihr Bauprinzip trotz Reduktion der Mittel nicht leicht nachvollziehbar. Auch die „Wandzeichnungen“ des Künstlers irritieren die Wahrnehmung, sie zeigen ein Vexierspiel aus wirklichem Schattenwurf und Stäben in hellerem Metall, die wie ein Schatten der dunkleren Stäbe wirken.
Künstlerisch geprägt durch die Minimal Art ist Gunter Frentzels skulpturale Sprache bestimmt durch das Spiel mit Form, Linie und dem umgebenden Raum. Seine Installationen thematisieren Prinzipien architektonischen Gestaltens, Last, Stütze, Statik, Dynamik, die Spannung zwischen Balance und Zusammenbruch. Grenzsituationen der Statik und die Ruhe und Poesie der gelungenen Konstruktion sind in seinen nüchternen Plastiken als spannungsvolle Verbindung erfahrbar und verweisen auf philosophische Grundlagen nicht nur architektonischen Gestaltens.