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Gunter Frentzel |
Die Baukunst Galerie eröffnet am Mittwoch, dem 27. Februar 2008 von 18.00 bis 21.00 Uhr eine große Einzelschau mit Arbeiten des Schweizer Künstlers Gunter Frentzel. Dr. Christoph Vögele, Direktor des Kunstmuseums Solothurn, wird eine Einführung in sein künstlerisches Œuvre geben. Frentzels Plastiken waren erstmals im Sommer 2000 in einer Gruppenausstellung und zuletzt 2003 in einer Solopräsentation in der Galerie zu sehen. In der aktuellen Ausstellung werden neben Skulpturen für den Innen- und Außenraum zum ersten Mal Filzstiftzeichnungen auf Papier präsentiert, die eine konsequente Fortsetzung des Linearischen im zweidimensionalen Bildraum darstellen.
Gunter Frentzel wurde 1935 in Berlin geboren, schloss 1956 sein Studium als Bildhauer an der Kunsthochschule Wiesbaden ab und zog vier Jahre später in die Schweiz, wo er bis heute lebt und arbeitet. Der mehrfache Kunstpreisträger des Kantons Solothurn gehört zu den bekanntesten Bildhauern des Landes. Seine Plastiken sind im Besitz internationaler Sammlungen und prägen in zahlreichen Städten den öffentlichen Raum. Unter anderem widmeten ihm 1987-88 das Centre Culturel Suisse in Paris und 1990 das Kunstmuseum Solothurn und die Kunsthalle Winterthur große Einzelausstellungen. 1990 waren seine Werke außerdem im Musée d’Art Moderne et Contemporain (MAMCO) in Genf und der Gulbenkian-Foundation in Lissabon zu sehen. Zuletzt bespielte er 2006 in der Galerie der Stiftung DKM in Duisburg eine 15 m lange Wandfläche mit einer monumentalen Eisenskulptur. 2010 wird ihm das Kunstmuseum Bern eine umfassende Retrospektive widmen.
In seinen Skulpturen verwendet Frentzel ausschließlich industriell gefertigte Halbfabrikate wie Vierkantstäbe und Platten aus Eisen und Chromstahl, die er bis 1997 bisweilen mit Steinquadern kombinierte. Jegliche Form einer Künstlerhandschrift wird vermieden; die Oberfläche der Stahlelemente bleibt unbearbeitet. Es zählt die Gleichwertigkeit der Elemente ohne kompositorische Hierarchie. Bestehend aus der Aneinanderreihung identischer Einzelteile werden seine Skulpturen allein durch die Spannung von Zug und Gegenzug in der Balance gehalten. Frentzel benutzt keine fixierenden Vorrichtungen wie Schrauben, Klammern oder Schweisspunkte. Sein Konstruktionsprinzip beruht auf dem präzisen Anordnen, Schichten und Sich-Anlehnen der einzelnen Elemente nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten. So verschiebt der Künstler beispielsweise die Vierkantstäbe der ausgestellten spiralförmigen Arbeit (2007) auf dem kreisförmigem Grundriss jeweils um den Durchmesser der Stäbe. Aus diesem Konstruktionsprinzip ergeben sich somit zwingend Umfang und Abschluss der jeweiligen Skulptur.
In der Zurücknahme der persönlichen Handschrift, dem Einsatz industrieller Produkte und der Verwendung geometrischer Strukturen in serieller Wiederholung steht Gunter Frentzel in der Tradition des Minimalismus. Wenn er seine Skulpturen konstruiert, geht es ihm jedoch weniger um eine Methode als um ein experimentelles, intuitives Vorgehen. Der Künstler liebt das Risiko und schichtet stets bis an die statische Grenze. Jeder weitere Stab würde entweder abrutschen oder den Einsturz der Skulptur provozieren. Durch die Vielzahl übereinander geschichteter und ineinander verschobener Stangen entsteht eine komplexe Gitterstruktur, die im Zusammenspiel mit den Überlagerungen aus Licht und Schatten ein faszinierendes Linienspiel entfaltet. Durch die Multiplikation von Einzelschritten gelingt es ihm, Statisches in Bewegung zu setzten (Moiré-Effekt) und eine Dynamik zu erzeugen, die den Betrachter im Raum immer wieder den Standort wechseln lässt, um aus den unterschiedlichen Perspektiven stets neue Facetten zu entdecken. Während sich die Einzelelemente hier zu einer kompakten Fläche verdichten, finden sie dort ihre Eigenständigkeit wieder. Es ist ein Spiel, das erst durch das geringe Volumen der von Frentzel verwendeten Stahlelemente möglich wird. Sie wirken nicht als Körper, sondern als Linien oder Schnitte im Raum, deren Schatten stets konstitutives Element der Plastik ist.
Der Ausstellungstitel „Verzeichnung“ spielt somit nicht nur auf das optische Phänomen der Verzerrung an, sondern hebt auch das Zeichnerische als wesentliches Charakteristikum des dreidimensionalen Schaffens von Gunter Frentzel hervor. Somit erscheint es nur konsequent, dass der Künstler seine experimentellen Formuntersuchungen 2007 in Zeichnungen überführt, in denen er den Bildraum mittels unprätentiöser Filzstiftlinien strukturiert. Wie seine Skulpturen bestechen auch die Papierarbeiten durch jene Konsequenz des Einfachen, in der Gunter Frentzel eine atemberaubende Vielfalt an Formen und Variationen hervorbringt.
