Baukunst Galerie



Bild:

Inta Ruka
Emma Stebere
Balvi, Latvia, 1999
(My Country People)
35,5 x 34 cm, Aufl. 7


Die Baukunst Galerie zeigt vom 30. Januar bis 22. März 2003 unter dem Titel „Portraits“ eine Ausstellung mit Fotografien der lettischen Künstlerin Inta Ruka – als erste große Einzelschau der aus Riga stammenden Fotografin in Köln. In Kooperation mit der Kölner Schau wird am 2. März 2003 im PAK, Palais für aktuelle Kunst, Kunstverein Glückstadt, eine weitere Ausstellung der Künstlerin eröffnet. Zu beiden Ausstellungen ist eine gemeinsame Katalogbroschüre erschienen.

Inta Ruka wurde 1958 in Riga, Lettland geboren. Nach dem Abschluß der Handelsschule als Näherin begann sie 1978 zu fotografieren, absolvierte eine Ausbildung am „Volksphotostudio“ (V.E.E.). 1986-88 war sie als freischaffende Fotografin in Vladivostok, UdSSR tätig. Inta Ruka lebt und arbeitet in Riga. Sie zählt seit Jahren zu den renommiertesten Fotografen Lettlands. Die Fotografin bekam u.a. ein Stipendium der Hasselblad Foundation im Jahr 1998 und ein Arbeitsstipendium für die Villa Valberta in Feldafing/Starnberger See im Sommer 2002. Fotografien der Künstlerin sind im Besitz internationaler Sammlungen und Museen, so z.B. in der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang, Essen, im Fotomuseum München und im Nordiska Museet, Stockholm. Rukas Bilder sind bereits in bedeutsamen internationalen Ausstellungen gezeigt worden: So vertrat Inta Ruka Lettland auf der 48. Biennale von Venedig im Jahr 1999. Im Rahmen der Ausstellung „Das Gedächtnis der Bilder. Baltische Photokunst heute“ wurden ihre Arbeiten 1993-94 in verschiedenen europäischen Städten gezeigt, 1991-93 auf einer Ausstellungstournee zu lettischer Fotografie in Kanada, 1991 im Santa Barbara Museum of Art, U.S.A und 1990 im Musée de l'Elysee in Lausanne, etc.
Inta Rukas Thema sind die Menschen ihres Landes. Die Fotografien der Lettin zeigen Portraits von Menschen aus Riga und aus der Region Balvi, in der Inta Ruka ihre Kindheit verbrachte. Ihre Aufnahmen faßt sie zu Reihen zusammen, seit jüngster Zeit entstehen „People I happend to meet“ und „Latvia, changing and unchanging reality“. Seit 1983 arbeitet sie an dem fotografischen Zyklus „My country people“: Bei Exkursionen, die sie seit zwei Jahrzehnten nach Balvi unternimmt, trifft Sie auf Menschen, die Sie um das Posieren für ein Bild bittet. Sie besucht die Portraitierten über Jahre regelmäßig, um nochmals Aufnahmen zu machen. Ruka hält auf diese Weise die Gesichter und Geschichten ganzer Familien in ihren Fotoreihen fest, notiert dazu in ihrem Tagebuch Namen und biografische Daten zu den abgelichteten Personen.

Die Künstlerin sucht die Situation für die Aufnahmen gemeinsam mit den Portraitierten aus und führt lange Gespräche mit Ihnen. Manchmal ist es eine alltägliche Haltung und Umgebung, manchmal eine besondere Idee und Inszenierung, die aber immer in einer Verbindung mit dem Leben der Abgelichteten steht. Inta Rukas Schwarz-Weiß-Fotografien mittleren Formats erlangen einen Teil ihrer besonderen Ausstrahlung gerade auch aufgrund ihres zeitlos oder bisweilen auch historisch wirkenden Charakters. Für ihre Aufnahmen verwendet die Künstlerin lediglich eine alte 6 x 6 Rollei mit Stativ. Sie arbeitet ausschließlich mit natürlichem Licht. Inta Ruka gelingt es, das Licht zu einer sehr ausdrucksstarken und zugleich subtilen Inszenierung ihrer mit perfekter Schärfe aufgenommenen Bilder einzusetzen. Die Portraitierten sehen dem Betrachter offen in die Augen, sind meist in der Bildmitte positioniert und aus einer Halbdistanz aufgenommen, die einen Ausschnitt des jeweiligen Umfeldes mit auf das Bild zu bringen erlaubt.

Die Fotografien erzählen Geschichten, indem sie Menschen in bestimmten Situationen zeigen, in denen ihr Charakter, ihre Individualität hervorscheinen und der Betrachter das Gefühl hat, einem bestimmten, unverwechselbaren Menschen gegenüberzustehen, über dessen reiches Leben viel zu erfahren wäre. Gleichzeitig zeigen sie übergreifend Menschliches in den Gesichtern, Haltungen, Gesten der Portraitierten. Kleidung, verschiedene Attribute und Umfeld lassen wiederum viel über den Alltag einer spezifischen Gegend in Lettland erahnen, der irgendwann ganz der Vergangenheit angehören wird. Rukas selbstgestellte Aufgabe, ein möglichst breites Spektrum lettischer Bevölkerung zu portraitieren, stellt sie in eine Tradition mit August Sander und seinen Mappenwerken, die eine Dokumentation der Gesellschaft versuchten, anhand von Portraits der Vertreter verschiedener Berufe und Stände. Das Verfolgen der Lebensgeschichten der Portraitierten über den Zeitraum von bisher bereits zwanzig Jahren ist eine Spezifik der fotografischen Arbeit Inta Rukas.

Inta Rukas Fotografien sind in vielerlei Hinsicht Erinnerungserzählungen: Sie verbinden autobiografische Suche nach den eigenen Wurzeln und anthropologisch-soziologische Dokumentation der Lebenswelt von Menschen mit einer großen künstlerische Begabung, das Wahrgenommene und Erfahrene zu Bilderzählungen von großer Intensität zu verdichten.





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