Baukunst Galerie



Bild:

Joachim Bandau
Ohne Titel, 2010
Aquarell auf Fabriano 5
69 x 99 cm
signiert, datiert und bezeichnet recto: "Stäfa 18.6.2010"


Am 13. April 2011 eröffnet die Baukunst Galerie die dritte große Einzelausstellung mit dem in Aachen und Stäfa (Schweiz) lebenden Künstler Joachim Bandau. Es werden aktuelle Schwarzaquarelle und Wandarbeiten aus Holz, die mit burmesischem Baumharz überzogen sind, einander gegenübergestellt.

Joachim Bandau wurde 1936 in Köln geboren und absolvierte von 1957 bis 1960 ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf. 1962 begann er mit seinen ersten plastischen Arbeiten. Auf futuristisch-organisch anmutende Polyesterskulpturen in den sechziger und siebziger Jahren folgten architektonische Skulpturen aus Blei und Stahl, denen eine ausschließlich zeichnerische Phase voranging. In seinen Zeichnungen von 1976 bis 1978 widmete sich Joachim Bandau der Bunkerarchitektur, die nach 1978 einen zentralen Stellenwert in seinem skulpturalen Schaffen einnahm. Damit setzte auch eine Entwicklung hin zu minimalistischen Archetypen von architektonisch geprägten Skulpturen ein. 2005 entstanden kubische Wandstücke aus Blei ("Bonsai"), die direkt an der Wand montiert wurden. Darauf folgte 2008 die neue Werkgruppe der Bagan Laquer-Objekte, die die Thematik des Zwischenraumes und des eingeschlossenen Raumes der Blei- und Stahlskulpturen weiter verfolgen. Die Werkgruppe der Schwarzaquarelle, die in dieser Ausstellung mit drei besonderen großformatigen Arbeiten im Format 150 x 100 cm aus den Jahren 2007/08 und aktuellen Schwarzaquarellen im Format 100 x 70 cm aus 2010/11 vertreten sein werden, entstand bereits 1983. Bandaus Schaffen, dass sich bereits über fünf Jahrzehnte erstreckt, ist bis heute von kontinuierlichen Neuerungen geprägt.

Bandaus Bagan Laquer-Arbeiten sind Schwarz oder Rot, die aktuellen mehrteiligen Arbeiten weisen beide Farben auf. Ihr Kern besteht, wie bei den Bleistücken, aus Balsa- oder Flugzeugsperrholz und ist mehrfach mit dem Harz des Usitata-Baumes überzogen, das in Burma seit über 1000 Jahren zur Herstellung traditioneller Lackobjekte verwendet wird. Die schwarze Farbe entsteht durch einen natürlichen Oxidationsprozess des Harzes, der durch Beimischung von Zinnober eine rote Färbung erhält. Der Holzkern wird bis zu zehnmal lackiert und ist am Ende nicht mehr sichtbar. Der Lack gibt den Objekten ein kompaktes und "gewichtiges" Volumen. Durch die filigranen Stahlstifte, an denen die Objekte vor der Wand hängend montiert werden, offenbart sich dem Betrachter ihre Leichtigkeit und Dynamik. Eine gewisse Körperlichkeit wird durch subtile konkave oder konvexe Wölbungen und Überlagerungen einzelner Flächen erreicht. Diese Plastizität ergibt sich auch aus der besonderen Beschaffenheit der Hochglanzoberfläche und ihrer Spiegelungen von Raum und Betrachter. Die Reflexion und Bindung von Licht im Objekt erzeugt Schwingungen, die die Werke rhythmisieren und somit dynamisch und vital werden lassen. Die flächigen Bagan Laquer-Objekte hängen vor und nicht direkt an der Wand, dadurch entstehen Schlagschatten, die den flachen Skulpturen ihre Körperlichkeit und Dinglichkeit verleihen. Die Wand ist hier nicht mehr nur Hintergrund, sondern trägt zur substanziellen Konkretisierung der Skulpturen bei. Das Zusammenspiel von Licht und Schatten bewirkt einerseits die Fortführung der Skulptur im Raum, andererseits erinnern die entstandenen übereinander gelegten Schlagschatten an die Schwarzaquarelle und stellen so eine formale Verbindung zu diesen her. Bandaus Schwarzaquarelle und seine Bagan Laquer-Objekte entwickeln sich beide aus der Fläche heraus.

Mit einem sehr breiten japanischen Haarpinsel trägt der Künstler in langsamer und gleichmäßiger Bewegung die Farbe in mehreren Schichten auf das schwere Bütten-Papier auf. Beim Austrocknen der Farbe entstehen durch die Verdichtung des Pigments am Rand feine Linien, die aussehen, als wären sie mit einem Silberstift gezogen worden. Diese Linien trennen zwei Schichten voneinander oder heben sie voneinander ab. Die zarten Farbschichten addieren sich von transparentem Grau bis hin zu dichtem Schwarz. Diese Arbeitsweise erfordert höchste Konzentration. Durch die Sichtbarmachung des Entstehungsprozesses beziehen sie den Verlauf der Zeit, d.h. die zeitliche Dimension mit ein. Kompositorisch sind die frühen Arbeiten von einer einfachen Symmetrie geprägt, die nach und nach aufgebrochen wird. Durch das langsame Ausformen von Schichten materialisieren sich die Schwarzaquarelle und schaffen so einen räumlichen Aspekt. Dem Betrachter erschließen sich transparente Bildräume, die er durch das Wechselspiel der verschiedenen Ebenen begreift. Die neuesten Schwarzaquarelle zeigen eine weniger kontrolliert anmutende Schichtung; in manchen Arbeiten scheinen zwei unterschiedliche Kompositionen aufeinander zu liegen, die zu einer einzigen zusammengefasst wurden. Sie wirken leichter und bewegter, als man es von den früheren Arbeiten kennt.
Das Phänomen des Raums ist in Bandaus Oeuvre schon immer von großer Bedeutung. Die Schwarzaquarelle und die Bagan Laquer-Objekte bergen völlig verschiedene, sich wechselseitig aktivierende, energetische Bewegungen, die den Betrachter die Arbeiten erleben und nachvollziehen lassen. Hierfür steht auch der Titel der Ausstellung Whitespace, so viel wie "Leerraum" bedeutend. Dieser "Leerraum" ist in Bandaus Werken in unterschiedlichster Weise vorzufinden. Vor allem aber ist er für die Bagan Laquer-Arbeiten und die Schwarzaquarelle von besonderer Bedeutung, denn bei diesen Objekten wird der Leerraum vom Betrachter nicht bewusst wahrgenommen, obwohl er für den Aspekt der räumlichen Perzeption eine wichtige Rolle spielt. Der Whitespace befindet sich zwischen den einzelnen Schichtungen der Schwarzaquarelle ebenso wie zwischen den mehrteilig übereinander gehängten Lackarbeiten oder in deren Innerem.





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