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Joan Hernández Pijuan |
Die Baukunst Galerie eröffnet am Dienstag, den 10. September 2002 eine Ausstellung mit Werken des spanischen Künstlers Joan Hernández Pijuan. Es ist die zweite große Einzelschau des Künstlers in der Galerie, nachdem sein Werk im Herbst 2000 zum ersten Mal in diesen Räumen präsentiert wurde. Die aktuelle Ausstellung gibt einen Einblick in das jüngste Schaffen des Malers mit mittel- und großformatigen Bildern in Öl auf Leinwand, welche in der Mehrzahl erst in diesem Jahr entstanden sind, sowie Arbeiten auf Papier.
Joan Hernández Pijuan wurde 1931 in Barcelona geboren. Von 1952 bis 1956 studierte er an der Akademie der Schönen Künste Sant Jordi in Barcelona; dorthin kehrte er 1976 als Dozent zurück. Neben seiner erfolgreichen künstlerischen Arbeit hielt er Vorträge und Vorlesungen und vollendete 1988 eine Doktorarbeit zum Thema „Malerei und Raum: Eine persönliche Erfahrung“. Seit 1989 hat er eine Professur für Malerei an der Fakultät der Schönen Künste der Universität Barcelona inne, 1992 wurde er dort zum Dekan ernannt. Pijuan lebt und arbeitet in Barcelona und auf seinem Landsitz in Folquer.
In Pijuans Ölbildern stehen Zeichnung und Malerei in einem spannungsvollen Dialog. Pijuans Bilder erinnern in ihrer Farbwahl an die Farben der Natur, die den Künstler auf seinem Landsitz in Folquer umgeben. Es sind monochrome Farbflächen, die an das dunkle Gelb der Kornfelder, das Weiß, Weiß-Gelb oder Weiß-Grau der gleißenden Sonne, die Grüntöne der frischen Blätter oder das erdige Ocker, das Braunrot und Schwarz des Bodens dieser Landschaft denken lassen. Die Farbe ist in dicken Schichten mit dem Spachtel auf die Leinwand aufgetragen; es entstehen lebendig, fast plastisch wirkende Farbfelder, an deren Rändern die übermalten Farbschichten zum Vorschein kommen. In diese Felder sind mit wenigen Strichen Zeichen gesetzt: In zeichnerischem Duktus sind Wellenlinien, Kreise, Punkte, teils auch piktogrammartige Zeichen wie Blüten oder Häuser, aus wenigen Linien bestehend, tief in die Ölfarbe eingeritzt, so daß untere Farbschichten sichtbar werden.
Das Grundthema des Künstlers ist die Landschaft. Dieser Begriff ist umfassend zu verstehen, meint Natur- und Kulturlandschaft gleichermaßen. Es existieren neben figuralen Motiven, die an Wege, Hügelkonturen, Feldfurchen oder Pflanzen erinnern, auch architektonische Motive, z.B. das oft auftauchende Rautenmotiv, das an Details maurischer Bauten erinnert. Auch die Farbfelder geben beides wieder: Farben der Natur, aber auch von Bauten, von Mauern und Ziegeln.
Pijuans Bilder scheinen zunächst inspiriert von der Atmosphäre einer bestimmten spanischen Landschaft. Doch die Konstellationen aus Farben, Farbschichten und Linien in Pijuans Bildern werden zu Metaphern für Wahrgenommenes und zugleich für Grunderfahrungen des Menschen. Es geht dem Maler nicht um ein Abbilden des ihn Umgebenden: Die erinnerte Essenz eines Landschaftseindrucks, der aus der subjektiven Wahrnehmung eines Ortes besteht, in Verbindung mit verschiedensten Einflußgrößen wie jahreszeitlichen Stimmungen oder Wettergegebenheiten, wird in den Bildern festgehalten und verbindet sich mit der Wahrnehmung von Land als elementarer Erfahrung des Menschen: Die Landschaft als Land, auf dem der Mensch lebt, von dem er sich ernährt, zu dem er sich zugehörig fühlt, das aber auch seinen eigenen Gesetzen, den Kräften der Natur, unterliegt, das Gefahren und Geheimnisse birgt: Grundgefühle oder Erinnerungen, die durch die stark reduzierte Form- und Farbsprache von Pijuans Bildern angestoßen werden und die der Künstler mit seinen Betrachtern teilt.
Es sind zwar zutiefst poetisch zu nennende Bilder, sie strahlen eine Ruhe aus, die zur Kontemplation einlädt; doch die Gemälde von Pijuan sind gleichzeitig sehr radikal, beinahe als provokant zu bezeichnen: Es ist die Radikalität einer Vereinfachung, die zu einer großen Verdichtung führt. Pijuan hat mit wenigen Mitteln eine genau komponierte Bildsprache entwickelt, mit der sich ein großer Reichtum an Wahrnehmungen festhalten und weitergeben läßt.
Seit den 60er Jahren sind Arbeiten des Künstlers in zahlreichen spanischen und internationalen Museen vertreten, z.B. in den Sammlungen des Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, des Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA), des Metropolitan Museum, New York und des Museum of Modern Art (MOMA), New York. In der zurückliegenden Dekade gab es verschiedene umfangreiche Werkschauen, so 1993 im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, 1999 im Frankfurter Kunstverein sowie zu seinem zeichnerischen Oeuvre 2000 im Rupertinum in Salzburg. Ab Januar 2003 wird das Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA) dem Künstler eine große Retrospektive widmen, die bis 2004 in Europa auf Tournee gehen wird.
