Baukunst Galerie



Bild:

Joan Hernández Pijuan
La Casa Ocre, 2004-05
Öl auf Leinwand
100 x 150 cm
signiert und datiert recto
signiert, datiert und bezeichnet verso


Am Mittwoch, den 21. April 2010 von 18 bis 20 Uhr eröffnet die Baukunst Galerie die deutschlandweit erste posthume Einzelschau mit Gemälden und Papierarbeiten des Spaniers Joan Hernández Pijuan. Zu Lebzeiten richtete die Galerie dem Künstler bereits 2000 und 2002 zwei große Einzelausstellungen aus. Dr. Martin Engler, Chefkurator für Kunst nach 1945 am Städel Museum in Frankfurt wird eine kurze Einführung in Hernández Pijuans Œuvre geben. Die aktuelle Ausstellung bietet einen Überblick über groß- und mittelformatige Werke in Öl auf Leinwand aus den Jahren 1986 bis 2005 sowie Originale und Grafiken auf Papier von 1982 bis 2004.

Joan Hernández Pijuan wird 1931 in Barcelona geboren. Von 1952 bis 1956 studiert er an der Akademie der Schönen Künste Sant Jordi in Barcelona, an die er 1976 als Dozent zurückkehrt. Neben seiner künstlerischen Arbeit in Barcelona und auf seinem Landsitz in Folquer vollendet er 1988 eine Doktorarbeit zum Thema „Malerei und Raum: Eine persönliche Erfahrung“. 1989 erhält er eine Professur für Malerei an der Fakultät der Schönen Künste der Universität Barcelona, die ihn 1992 zum Dekan ernennt. 2005 wird Pijuan sowohl mit dem „Premi Ciutat de Barcelona“ für Plastik als auch mit dem Spanischen Nationalpreis für graphische Künste ausgezeichnet. Bevor Joan Hernández Pijuan in demselben Jahr auf dem Höhepunkt seiner Karriere in seiner Heimatstadt Barcelona stirbt, präsentiert er seine Werke zum zweiten Mal auf der 51. Biennale in Venedig im Italienischen Pavillon.
Seit den 60er Jahren sind Joan Hernández Pijuans Werke in der Sammlung zahlreicher internationaler Museen vertreten, u.a. im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, im Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA), im Metropolitan Museum in New York und im Museum of Modern Art (MOMA) in New York. Umfangreiche Einzelausstellungen widmeten ihm u.a. 2000 das Rupertinum in Salzburg, 2003-2004 das Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA) und die Malmö Konsthall, 2008 die Museen der Fundación Juan March in Cuenca und in Palma de Mallorca sowie in diesem Jahr die Fundació Suñol in Barcelona. Die nächste große Retrospektive plant das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid für das Jahr 2012.

Im Zentrum der Werke von Joan Hernández Pijuan steht die Landschaft: Landschaft als eine durch die Malerei wiederbelebte Idee, als malerische Transkription einer zeitlich und physisch entfernten Erinnerung, die durch den fragmentarischen Charakter des Bildprozesses einen rein bildnerischen Status erhält. Von ihm bereiste und erlebte Orte wie Folquer, Évora, Comiols, La Segarra, Granada und Marokko werden in seinen Werken ikonographisch charakterisiert. Unvergessliche Bestandteile eines gewonnenen Eindrucks hält er in wenigen Linien, Räumen und Farben fest.

Seine Farbpalette orientiert sich dabei an den Farben der Natur: erdiges Ocker wie das dürre Land, sattes Grün wie die aufkeimende Vegetation im Frühling, Weiß wie der helle Widerschein der sengenden Mittagssonne, Schwarz und Rot-Braun wie die Felsen und Tonziegel, leuchtendes Gelb wie das reife Korn auf den Feldern und zartes Rosa wie das sanfte Abendlicht. In den einzelnen Kompositionen begrenzt er die Palette auf scheinbar zwei oder drei Farbtöne, die aber eine Vielzahl übereinander liegender, unterschiedlicher Nuancen durchscheinen lassen. Die Ölfarbe wird in pastosen Schichten mit dem Spachtel aufgetragen. Unter der monochromen Oberfläche leuchten die tieferen Farbschichten hervor – kaum wahrnehmbar im Zentrum des Gemäldes und deutlich zu erkennen an seinen Rändern, so dass diese einen Rahmen bilden. In den noch feuchten, weichen Farbgrund drückt Pijuan mit einem Kohlestift oder dem Holzkeil eines Pinsels eine Zeichnung ein oder legt sie mit dem Pinsel in einer zu der Oberfläche kontrastierenden Farbe auf. Ohne seine Hand von der Leinwand zu erheben setzt er mit einem spontanen und zugleich hoch konzentrierten Gestus Linien, Spuren und Ornamente auf den Malgrund. Dabei erschafft er eine Bilderwelt eigenen Ursprungs, die ihre Expressivität aus der strengen Reduktion schöpft. Pijuans Zeichen sind elementar. Es sind Figuren und Silhouetten mit evokativen Fähigkeiten, wie Wellen, Rauten, Blätter, Häuser, Wolken, Wege und Hügel, die von empirischen Eindrücken konkreter Landschaften durchsetzt sind.

In erster Linie aber sind seine Werke ein malerisches Plädoyer. In der seriellen Rhythmik ihrer sinnlich-pastosen Materialität ist die für den Entstehungsprozess aufgewendete Zeit als chronologischer Faktor eingeschrieben. Zudem setzt er in viele Bilder einen gezeichneten Rahmen ein, der zusammen mit der durchfurchten Malschicht und seinem frontalen, ausschnitthaften Raumkonzept den Bildraum konkretisiert und sichtbar werden lässt. Somit reflektiert sein Œuvre das Medium der Malerei, ihre Mittel und Möglichkeiten, aus persönlichen Erinnerungen und dem kollektiven, kulturellen Gedächtnis zu schöpfen. Als lyrisch-poetische Fragmente zeugen seine Werke von der primären Erfahrung des Malers von Licht, Farbe und Raum und eröffnen einen Dialog zwischen Leere und Besetzung, Subjektivem und Objektivem, kontemplativer Stille und Rhythmus, innerer und äußerer Wirklichkeit. In überwältigender Form verdichtet Joan Hernández Pijuan ästhetische und empirische Erfahrung zu komplexen Meisterwerken des Einfachen.





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