
Lisbeth Johansen Sjøvoll |
Die Baukunst Galerie eröffnet am Mittwoch, dem 20. April 2005 ihre bisher zweite große Einzelschau mit aktuellen, zwischen 2002 und 2005 entstandenen Bildern der jungen norwegischen Künstlerin Lisbeth Johansen Sjøvoll. Eine Einführung zu den gezeigten Arbeiten wird P. Friedhelm Mennekes, S.J. geben.
Lisbeth Johansen Sjøvoll wurde 1967 auf den norwegischen Lofoten geboren. Sie absolvierte von 1985 bis 1992 ein Kunststudium an der Staatlichen Kunsthochschule für Kunst und Design und der Vestlandets-Kunstakademie in Bergen. Es folgten Einzel- und Gruppenausstellungen in Norwegen, sowie zahlreiche Reise- und Arbeitsstipendien. Arbeiten der Norwegerin sind bereits im Besitz wichtiger öffentlicher und privater Sammlungen. Lisbeth Johansen Sjøvoll lebt und arbeitet in Bergen, Norwegen.
Die mit Maßen zwischen 55 x 55 cm und 148 x 148 cm teils sehr großformatigen, oft zu Diptychen oder Bildpaaren aus einer kleineren und einer großen Bildtafel kombinierten Arbeiten der Norwegerin zeigen abstrakte, ungegenständliche Formgebungen. Das Spektrum reicht von leuchtend farbigen Acrylbildern über schwarz-weiße Kohlezeichnungen bis zu großen Bildtafeln, die überdeckt sind mit fein gezeichneten Linien mit Kugelschreiber oder Bleistift.
Immer bilden Holztafeln, die umlaufend von ca. 5 cm breiten Latten unterlegt sind, die Grundlage von Johansens Werken. Ihre Arbeiten bekommen dadurch eine objekthafte Dimension. Auf die Tafeln ist Papier aufgezogen, in einigen wenigen Fällen malt und zeichnet sie aber auch direkt auf die Holzfläche. Das Format bleibt konsequent quadratisch. Die norwegische Künstlerin wählt für ihre Bilder einerseits traditionelle künstlerische Materialien und Techniken - sie zeichnet mit Pastellkreide, Kohle und Bleistift auf Papier und malt mit Acryl -, sie greift aber auch zu ungewöhnlichen Materialien, lasiert den Papiergrund mit Kaffee oder verwendet den Kugelschreiber als Zeichenstift. Die fertigen Bilder erhalten eine seidig glänzende Oberfläche durch eine dünne Firnißschicht. Gerade die schwarz-weißen Arbeiten der Künstlerin können dadurch, aus der Entfernung betrachtet, einen fast fotografischen Charakter entfalten.
Die gegenstandslose Formensprache in Johansens aktuellen Arbeiten ist vielfältig. Auf strenger strukturierte, in Form und Farbe reduzierte Bildkompositionen früherer Bilder folgen in jüngster Zeit in der Form freiere, informellere und nun oft auch sehr farbige Arbeiten: Organischen Formen nicht nur in Schwarz, auch in leuchtendem Rot erscheinen im Bildzentrum, oder ein Liniengewirr aus Kugelschreiberkreisen überzieht im „all over“ die Bildfläche. Die Konturen der Formen scheinen nur auf den ersten Blick genau abgegrenzt, verschwimmen aber bei genauerem Hinsehen in Abstufungen des Grundtons. Feine Schattierungen des Hintergrundes entstehen durch Einbringen von Pastellfarbe, Kohle oder Kaffee und verleihen dem Bildhintergrund unter den Linienknäueln und Formen zusätzliche räumliche Tiefe.
Im Werk von Lisbeth Johansen Sjøvoll nimmt der künstlerische Schaffensprozeß eine besondere Stellung ein. Die Künstlerin hat ein starkes Interesse an der künstlerisch „handwerklichen“ Auseinandersetzung mit den Materialien, die Hand ist ihr das wichtigste Werkzeug. Ihre in solch „klassischen“ Werkprozessen entstandenen Zeichnungen bleiben immer unbetitelt; sie formulieren visuelle Ideen, die aber keinen direkten gegenständlichen Bedeutungen unterliegen. Die Arbeiten von Lisbeth Johansen Sjøvoll geben innere Bilder wieder, sie scheinen inspiriert von inneren und äußeren Landschaften und vermögen es, vielfältigste Assoziationen zu eröffnen.