Baukunst Galerie



Bild:

Mark Tobey
Void II, 1960
Tempera und Bleistift auf Papier
17,3 x 12,3 cm
signiert und datiert


Die Baukunst Galerie zeigt in ihrer neuen, umfangreichen Ausstellung Werke des amerikanischen Künstlers Mark Tobey. Die überblickshafte Schau versammelt 45 ausgewählte Gemälde Mark Tobeys aus der Zeit von 1940 bis 1975. Sie wird durch einige wichtige Leihgaben aus privaten Sammlungen aus dem In- und Ausland bereichert. Die Ausstellung wird am 24. Oktober 2001 eröffnet und bis Ende Januar 2002 zu sehen sein.

Mark Tobey wurde 1890 in Centerville/Wisconsin geboren. Tobeys als ‚nomadenhaft’ zu beschreibendes Leben führte ihn nach einer Kindheit in ländlicher Gegend am Mississippi in die Metropolen Chicago, New York, Seattle, und von dort nach Europa, Südengland, Mexiko, Asien und den Nahen Osten. 1960 ließ er sich schließlich in Basel nieder. Er ist 1976 in Basel gestorben. Mark Tobey wurde als erster amerikanischer Künstler nach James Whistler im Jahr 1958 mit dem Preis der Malerei der Biennale von Venedig ausgezeichnet. 1961 wurde ihm eine große Retrospektive in Paris im Louvre gewidmet. Weitere große Werkschauen, so 1962/63 im Museum of Modern Art in New York, folgten, zuletzt 1997/98 im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid. Die Kunsthalle Bremen wird im nächsten Jahr Arbeiten von Mark Tobey in Ihrer Ausstellung „Klänge des Inneren Auges. Mark Tobey - Morris Graves - John Cage“ zeigen, die anschließend in der Fondation Beyeler in Riehen und im Tacoma Art Museum, Tacoma/Washington zu sehen sein wird und in der auch einige Werke Mark Tobeys aus der Baukunst Galerie präsentiert werden.

In Mark Tobeys Werk haben Einflüsse aus westlicher und östlicher Kunst Einzug gehalten. Östliche Spiritualität verband sich bei ihm mit einem Leben in der westlichen Kultur. In der Überzeugung, daß es keinen Bruch gibt zwischen der Natur, der Kunst, den technischen Errungenschaften und dem Leben des Menschen, und daß die Bewegungen des eigenen Lebens sich in dem komplizierten Aufbau eines Blattes genauso spiegeln können wie in den pulsierenden Strömen des Verkehrs einer Großstadt, deckt Tobey in seinen Bildern die allen Elementen des Lebens zugrundeliegenden Strukturen, Strömungen, Muster und flirrenden Ordnungen auf.

Obwohl Tobey als Vorreiter des ‚Abstrakten Expressionismus’ gelten kann, sind seine Bilder nicht im eigentlichen Sinne ‚abstrakt’ zu nennen, verweisen sie doch auf Beobachtungen aus unserer realen Umwelt, geben zum Beispiel die chaotische Rhythmik des Lebens in modernen Metropolen wieder oder erinnern in ihrem Linienspiel an Straßenkarten und Wegestrukturen. Die Bilder Mark Tobeys geben statt eines Raumes in perspektivischem Sinne eine innere Raumerfahrung wieder.

Der Überblick der Ausstellung in der Baukunst Galerie beginnt mit seltenen frühen Werken Mark Tobeys, wie den Zeichnungen von Muscheln aus dem Jahr 1940. Zu der präsentierten Auswahl meist kleinformatiger Gemälde aus den folgenden drei Jahrzehnten gehören Mark Tobeys „white writings“, Gemälde, in denen lineare Strukturen in einer Komposition des „all-over“ die gesamte Bildfläche bedecken, außerdem die 1956/57 entstandenen Arbeiten mit Sumi-Tusche, welche Tobeys östliche Einflüsse am deutlichsten offenbaren, sowie das großformatige „Beyond Sound“, an dem Tobey 1970 zu arbeiten begann und das er 1974/75 nochmals überarbeitete. Zudem sind mit Arbeiten aus den Bildfolgen „Meditative Series“ und „Void“ Gemälde zu sehen, welche den radikalsten Schritt markieren, den Tobey getan hat: Die Farben in „Void II“ sind von einer leeren, dunklen Fläche zugedeckt, dringen nur noch an den Rändern hervor. In der ostasiatischen Kunst aber bedeutet Leere nicht nur Auslöschung oder Nichts; sie führt zur Kontemplation und hat schöpferische, evokative Kraft. Auch in den „Meditative Series“ ist der farbige Hintergrund überdeckt, von unzähligen kleinsten, weißen Zeichen. Der Blick wandert ohne richtige Fixpunkte in diesem Netzwerk umher, die Bewegung wird in der Aufhebung aller Zielgerichtetheit zu einem meditativen Akt. Schweigen und innere Einkehr sind in diesen Bildern darstellbar geworden. Mark Tobeys Bilder können zu einer neuen Sicht der Strukturen unserer Welt führen.





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