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Meta Isæus-Berlin |
Die Baukunst Galerie eröffnet am Mittwoch, dem 31. Januar 2007 von 18.00 bis 20.00 Uhr, eine große Einzelschau mit Gemälden der schwedischen Künstlerin Meta Isæus-Berlin. „The Rehearsal“ ist deutschlandweit die erste große Ausstellung ihres Œuvres, die ausschließlich neue, in 2006 entstandene Gemälde präsentiert. Frau Dr. Birgitt Borkopp-Restle, Direktorin des Museums für Angewandte Kunst in Köln wird bei der Eröffnung eine Einführung in Isæus-Berlins künstlerisches Werk geben. Aufgrund seiner einzigartigen Formensprache hat es in Skandinavien, den Niederlanden und Spanien bereits große Aufmerksamkeit erregt.
Die 1963 in Stockholm geborene Künstlerin studierte von 1984 bis 1986 an der Stockholmer Konstfack Kunstgewerbe und Design. Von 1986 bis 1993 folgte ein Kunststudium an der Königlichen Akademie der Schönen Künste. Ihre Werke wurden bereits weltweit in internationalen Ausstellungen präsentiert – unter anderem auf den Biennalen von Venedig, Istanbul, Johannesburg und Melbourne, in der von Rosa Martìnez und Harald Szeemann kuratierten Gruppenausstellung „©EUROPE EXISTS“ im Macedonian Museum of Contemporary Art in Thessaloniki (GR) sowie in Museen in Breda (NL), Helsinki, Kopenhagen, Madrid und Barcelona. In 2006 hat ihr die Liljevalchs konsthall in Stockholm eine große Einzelausstellung gewidmet, zu der ein umfangreicher Katalog erschienen ist.
Meta Isæus-Berlins Gemälde und Zeichnungen beinhalten stets ein narratives Moment. In ihren Gemälden findet man Menschen, die tief in Gedanken und Tagträumen oder in intensiven Gesprächen versunken sind. Aber auch wenn die Interieure menschenleer sind, haben Isæus-Berlins Arbeiten einen höchst theatralischen Charakter. Die Stimmung erscheint verdichtet und die Bildräume wie Bühnen, auf denen wir Zeuge von Dramen werden, über deren Inhalt wir nur Vermutungen anstellen können. In Anlehnung an die französische und englische Literatur des 19. Jahrhunderts potenziert die Künstlerin das Einfühlungsvermögen des Betrachters in ihre Bildwelten durch die Auswahl ihrer Titel, die das Gemälde um eine weitere inhaltliche Dimension bereichern.
Das Faszinierende an ihren Arbeiten ist, dass Meta Isæus-Berlin die unterschwellige, psychologische Dimension nicht mit Hilfe einer bestimmten Symbolik, sondern allein durch ihre einzigartige, sinnlich-körperliche Aufladung alltäglicher Gegenstände kreiert. Ihr expressiver Umgang mit Formen und Farben erinnert unweigerlich an das fin de siècle. So wählt die Künstlerin häufig historische Möbelstücke, die aufgrund ihres Reichtums an tierischen und floralen Ornamenten der Imagination eine große Angriffsfläche bieten. Dies gilt auch für Art der ausgewählten Gegenstände – so findet man in den Arbeiten „Alone Again“ und „Me and My Brother“ Miniaturen und Masken, die metaphorisch auf das Innenleben der im Titel genannten Personen verweisen. In „Moonlight“ ist es die Form und Anordnung der Stühle um einen Tisch, die an zwei Personen denken lässt, deren persönliche Geschichte sich in der Tischplatte eingraviert zu haben scheint. Das Interieur in Isæus-Berlins Arbeiten wirkt auf magische Weise lebendig – es pulsiert, atmet, raunt und flüstert. In dem Gemälde „Sorrow“ haben sich die verängstigten und traurigen Blicke in den Rückenlehnen der Sessel gesammelt. Die warmen Farben der Kissen und die weichen Rundungen der Bettform lassen in der Arbeit „Nymfeum“ einen Eindruck von Intimität und Geborgenheit entstehen. Gleichzeitig verschmilzt der abstrakte, blaue Farbfluss, der sich von der Wand auf die Decke des Bettes ergießt, das Möbel mit seiner Umgebung und verleiht der Szenerie auf diese Weise etwas Träumerisches und Unwirkliches.
Diese Auflösung des imaginären Bildraums ist ein weiteres zentrales Merkmal der Arbeiten von Meta Isæus-Berlin. Die leuchtend intensiven Farben rinnen wie Lava von den Decken und Wänden und verleihen den Gemälden einen überaus dynamischen Charakter. Die Zentralperspektive wird durch die Gleichzeitigkeit von Auf- und Seitenansicht (z.B. „Venus“) oder das Nebeneinander mehrerer Ebenen mit unterschiedlichen Perspektiven (z.B. „Heat“) aufgebrochen. Dies erzeugt beim Betrachter ein instabiles Raumgefühl, das an Träume und Halluzinationen erinnert und zugleich Irritation und Unbehagen verursacht. Es ist die Perspektive einer inneren Realität, die von Gefühlen wie Einsamkeit, Angst und Trostlosigkeit, aber auch von sexuellem Begehren und exzessivem, sinnlichen Genuss genährt wird.
Der Arbeit „The Rehearsal“, deren Titel die Künstlerin stellvertretend für die gesamte Ausstellung ausgewählt hat, kommt in diesem Kontext eine zentrale Rolle zu. Obgleich der Titel des Gemäldes auf eine Probe oder einen Vortrag hindeutet, wird dem Betrachter weder ein Akteur noch ein Zuhörer oder ein Regisseur präsentiert. Zu sehen ist ein Vorführraum mit Sitzreihen und einer leeren Bühne, auf der ein Pult mit einem Plattenspieler steht. Den gesamten Raum umhüllt ein leuchtend roter, wogender Vorhang, der Assoziationen mit loderndem Feuer oder pulsierendem Fleisch hervorruft. Es sind unsere unausgesprochenen Gefühle und Gedanken, die auf dieser Bühne zur Aufführung kommen. Die Künstlerin selbst ist der Regisseur. Durch Meta Isæus-Berlins außergewöhnliche Fähigkeit, alltägliche Szenerien und Interieurs assoziativ aufzuladen, entfesselt sie unsere Phantasie und rührt an jene archetypische Welt, die wir alle von Geburt an in uns tragen.
