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Paul Pagk |
Die Baukunst Galerie eröffnet am Mittwoch, dem 27. August 2008 von 19.00 bis 21.00 Uhr mit einer Einführung der Kunsthistorikerin Ulrike Jagla-Blankenburg eine große Einzelausstellung mit Werken des in New York lebenden Briten Paul Pagk. „Home is where the heart is“ ist die erste Ausstellung des Künstlers in der Galerie. Neben einer pointierten Auswahl neuer Gemälde in Öltempera auf Leinwand aus den Jahren 2006 bis 2008 werden auch aktuelle Zeichnungen in Ölpastell, Bleistift und Tusche auf Papier zu sehen sein.
Paul Pagk wurde 1962 in Crawley, Großbritannien geboren, zog 1969 nach Wien und vier Jahre später nach Frankreich. Dort studierte er von 1978 bis 1982 Malerei an der École Nationale Supèrieure des Beaux-Arts in Paris. 1988 wechselte er erneut den Wohnsitz und zog nach New York City, wo er bis heute lebt und arbeitet. Pagks Gemälde und Zeichnungen sind im Besitz internationaler Sammlungen und Museen und wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen in Europa und den USA präsentiert, unter anderem im Fonds régional d’art contemporain Picardie in Amiens, dem Le 10neuf Centre Régional d\'Art Contemporain in Montbéliard und dem Brooklyn Museum in New York. Darüber hinaus wurde er 1998 von der Pollock-Krasner Foundation in New York ausgezeichnet.
Jedes Gemälde von Paul Pagk wird durch eine vorherrschende, leuchtende Farbe charakterisiert, die seinen Grund bildet. Die dabei verwendete Öltempera rührt der Künstler selbst aus purem Pigment an, um es mit schmalen oder breiten Pinselstrichen, lasierend, dünn oder dicht, jedoch ohne expressiven Gestus auf die Leinwand aufzutragen. Dabei legt er eine Vielzahl unterschiedlich nuancierter Farbschichten übereinander und baut in einem bis zu drei Monaten andauernden Malprozess eine pastose, schwere Bildoberfläche auf. In diese schreibt er ein zur Grundfarbe kontrastierendes, offenes oder geschlossenes lineares Konstrukt ein. Oft wird diese Form oder Linie durch eine dritte Farbe hervorgehoben, die zwischen Figur und Grund vermittelt.
Der Kontrast von rauhen und glänzenden Flächen, zarten und groben Partien, erhabenen Farbwülsten und tief in die Oberfläche eingegrabenen Linien erzeugt unendlich viele Spannungen, die unsere aktive Teilnahme fordern. Durch die Textur wird das Licht an einigen Stellen absorbiert und an anderen gebrochen, so dass es als Glanz auf der Oberfläche sichtbar wird oder gänzlich abwesend erscheint. Aus diesem Grund verändern sich Paul Pagks Gemälde im Laufe der Zeit, reagieren mit Verschiebung ihrer Farbwerte auf die sich verändernden Lichtverhältnisse in dem sie umgebenden Raum.
Das Schematisch-Geometrische in Paul Pagks Bildsprache knüpft an die Tradition der geometrischen Abstraktion und des Bauhauses an. So erinnert das irritierende Zusammenspiel der Linien in dem Gemälde „the arising“ (2008), das sich wie ein Vexierbild zwischen Zwei- und Dreidimensionalität bewegt, an die „Strukturalen Konstellationen“ von Josef Albers. Mit der Konkreten Kunst und dem Minimalismus eines Donald Judd oder Robert Irwins verbindet Paul Pagk die Selbstreferenzialität seiner Gemälde. Durch die Art des strukturierten, pastosen Farbauftrags betonten sie ihre eigene Materialität. Zugleich sind sie durch ihre spezifische Oberflächenbehandlung daraufhin konzipiert, auf die physikalischen Veränderungen in ihrer Umwelt zu reagieren. Die Objekthaftigkeit der Gemälde von Pagk wird auch durch ihr Format unterstrichen, das in Länge oder Breite kaum merklich von einem Quadrat abweicht und durch diese Irritation die Maße des Bildträgers ins Bewusstsein des Betrachters treten lässt. Darüber hinaus können Pagks Linien, die den Malgrund zu vermessen scheinen und durch Variation und Wiederholung visuelle Strukturen erzeugen, durchaus als intellektuell-systematische Untersuchungen innerbildlicher Gesetzmäßigkeiten verstanden werden.
Es ist die für Paul Pagk charakteristische Ambiguität, die sein Werk zu einer einzigartigen, vollkommen eigenständigen Position werden lässt. Der nüchternen Abstraktion und Konstruktion setzt er eine intensive, sinnliche Präsenz entgegen, die Raum für intuitive Entscheidungen lässt. Seine Gemälde bestechen in ihrer leuchtenden Farbenpracht und ihren bewusst gesetzten Unregelmäßigkeiten durch eine beinahe barocke Verführung der Oberfläche. Das Nebeneinander deskriptiver Titel wie „a cuboid in a box“ und assoziativ aufgeladener Titel wie „home is where the heart is“ („zu Hause ist, wo das Herz ist“) zeugt ebenfalls von der ihm eigenen Mischung aus Intuition und Rationalität. Somit können wir uns auch ohne kunsthistorisches Hintergrundwissen einfach die Zeit nehmen, die Gemälde auf uns wirken zu lassen, um rational-kognitiv oder intuitiv-emotional einen persönlichen Zugang zu der abstrakten Realität dieser Malerei zu finden. Dabei darf jede Reaktion als gleichwertig und keine als absolut gelten, denn die Absicht der Gemälde von Paul Pagk ist es ja gerade, sich einer eindeutigen Interpretation zu verweigern.
