Baukunst Galerie



Bild:

Phil Sims
Atelieransicht Sea Paintings, 2008
Acryl auf Leinwand
je 51 x 51 cm, signiert


Die Baukunst Galerie eröffnet am Mittwoch, dem 16. April 2008 von 18.00 bis 20.00 Uhr mit einer Einführung der Kuratorin Julia Höner eine große Einzelausstellung mit Werken des Amerikaners Phil Sims. Es ist die dritte Ausstellung des Künstlers in der Galerie. Neben einer pointierten Auswahl neuester Gemälde von 2008 werden auch keramische Objekte aus der Werkgruppe der „Tea Bowls“ zu sehen sein, die in einen spannungsvollen Dialog mit den Gemälden treten. Parallel dazu zeigt das Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern vom 12. April bis 13. Juli 2008 eine retrospektive Einzelausstellung mit dem Titel „Color in my Mind“, die mit 164 Werken aus unterschiedlichen Schaffensphasen neben Gemälden und Tea Bowls auch großformatige Keramikskulpturen umfasst.

Phil Sims wurde 1940 in Richmond, Kalifornien (USA) geboren, wo er zunächst die Technik der Keramik erlernte und lehrte bevor er von 1964 bis 1965 am San Francisco Art Institute Malerei studierte. 1977 zog er nach New York und wurde Gründungsmitglied der informellen Gruppe der „Radical Painters“. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Santa Fé (New Mexico) bezog er 2001 sein neues Atelier in Pennsylvania, wo er bis heute lebt und arbeitet. Seine Gemälde sind in Besitz internationaler Sammlungen und Museen und wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen in Europa und den USA präsentiert: Zuletzt zeigten 2006 die Städtische Galerie im Lenbachhaus in München und das Westfälische Landesmuseum in Münster eine große Einzelschau seines Œuvres. Bis zum 30. März dieses Jahres waren seine Gemälde außerdem im Museum am Ostwall in Dortmund zu sehen. Neben den genannten Museen sind Sims‘ Werke unter anderem Bestandteil der Sammlungen des Erzbischöflichen Diözesanmuseums Köln, der Kunsthalle Kiel, des Musée d’Art Contemporain in Lyon (F), der Collections Panza di Biumo in Varese (I), des Scripps Institute, La Jolla (Kalifornien, USA) und der Malmö Konsthall (S).

Die besondere Qualität der Gemälde von Phil Sims liegt in dem sinnlichen, emotionalen Erlebnis von Farbe. Damit steht er in der Tradition der New York School der 50er und 60er Jahre – der Maler Rothko, Still und Newman. Von ihnen übernimmt er das Primat der Farbe und das Prinzip des „Allover“. In Abgrenzung zum „Colorfield-Painting“ entscheidet er sich für die Gestaltung einer einzigen Farbfläche, die aber keinesfalls als monochrom, sondern vielmehr als ‚Portrait einer Farbe‘ bezeichnet werden kann. Sie ist das Resultat eines dünnen, lasierenden Auftrags zahlreicher, unterschiedlicher Farbschichten mit einem breiten, weichen Pinsel, der Spuren der Handbewegung hinterlässt. Diese gestische Struktur ist in den ausgestellten „Sea Paintings“ (2008) ungewöhnlich expressiv. Die neun Gemälde sind das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Ölgemälde „Walchensee bei Mondschein” (1920) von Lovis Corinth, das sich in der Pfalzgalerie Kaiserslautern befindet. Sie zeugen von der für Phil Sims charakteristischen Arbeitsweise, sich mit seinen jeweiligen Ausstellungsorten und der malerischen Tradition auseinander zu setzen.

Nach dem Vorbild alter Meister wie Tizian, Rembrandt oder Veronese hat Phil Sims auch in den „Navigator Paintings“ sorgfältig Pigmente und Bindemittel ausgewählt, die einen Farbauftrag ermöglichen, der das Licht nicht bricht, sondern in die Tiefe der Farbschichten dringen lässt. Auf diese Weise gehen die gestisch modulierten, unterschiedlichen Farbtöne der übereinander gelagerten Schichten eine Verbindung ein, die sich einer gängigen begrifflichen Kategorisierung von Farbe entzieht. Der Ausstellungstitel „The Interplay of Color“ verweist auf dieses komplexe Zusammenspiel der Farbnuancen an der Oberfläche der Gemälde. Die eine Farbe ist das Resultat sensibel ausgeloteter Relationen, die je nach Standpunkt oder Lichteinfall eine faszinierende Dynamik entfalten. Aus der Simultaneität verschiedener, sich stetig verändernder Wahrnehmungen entsteht ein intensives Farberlebnis, in dem sich die Präsenz der Farbe entfaltet.

Die Tea Bowls bilden mit ihrer stumpfen, erdigen Farbgebung einen Kontrapunkt zu den leuchtenden Gemälden. In einem aufwendigen traditionellen Verfahren hat Phil Sims die handgroßen Keramiken 5-6 Tage bei bis zu 1400°C in einem japanischen Höhlenbrennofen (Anagama) gebrannt. Da dieser Ofen ausschließlich mit Holz befeuert wird, entsteht durch die Verbindung von Ton und Flugasche eine natürliche Ascheglasur. Bei näherer Betrachtung fallen deutliche Parallelen zu den Gemälden auf: auch die Keramiken haben eine vielschichtige opake Struktur und weisen ein großes Spektrum abgetönter Farben auf. Sie beinhalten ein tatsächliches Volumen, das mit der Tiefe des durch die Farbschichten hervorscheinenden Malgrundes in den Gemälden korrespondiert. Im spannungsvollen Dialog der beiden Werkgruppen verlieren die Tea Bowls ihren funktionalen Objektcharakter, die Gemälde aber werden zu „paintings“, zu Objekt gewordener Malerei.





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