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Pierre Alechinsky |
Die Baukunst Galerie eröffnet mit einer Einführung von Dr. Hans-Jürgen Schwalm von der Kunsthalle Recklinghausen ihre vierte Ausstellung mit Pierre Alechinsky. Gezeigt werden Werke mittleren und großen Formates, die 2001 oder 2002 entstanden sind.
Nach dem Guggenheim-Museum in New York 1987 und der Galerie Nationale du Jeu de Paume in Paris 1998 haben u.a. zuletzt 2000 das Musée Jenisch in Vevey sowie das Museum für Moderne Kunst in Ostende dem Künstler große Retrospektiven gewidmet.
Pierre Alechinsky wurde am 19. Oktober 1927 als Sohn russischer Emigranten in Brüssel geboren. Er studierte von 1944 bis 1947 an der École Nationale Supérieure d´ Architecture et des Arts Décoratifs in Brüssel und beschäftigte sich neben der Malerei mit Typographie und Buchillustration. 1949 schloß sich Alechinsky der internationalen Künstlervereinigung CoBrA an, der u.a. Asger Jorn, Karel Appel, Christian Dotremont, Pol Bury und Corneille angehörten. Die Gruppe, deren Begründer aus den Städten (franz.) Copenhague, Bruxelles und Amsterdam stammten, bestand von 1948 bis 1951 und verfolgte auf experimentelle Weise eine figurativ-expressionistische und surrealistische Richtung der Malerei. Nach der Auflösung der Gruppe zog Alechinsky nach Paris. 1955-56 reiste er nach Japan, wo er sich eingehend mit japanischer Kalligraphie beschäftigte. Neben längeren Aufenthalten in New York in den 60er Jahren und Reisen nach Mexiko und China richtete er sich 1963 in Bougival bei Paris ein Atelier ein, wo sich seitdem sein Lebensmittelpunkt befindet.
Zu Alechinskys Œuvre zählen großformatige Papierarbeiten auf Leinwand, Aquarelle, Radierungen und Lithographien. 1982 entstanden zudem die ersten Keramiken in der Fondation Maeght in St.-Paul-de-Vence. Bemalte und lasierte Keramikarbeiten stellen nach wie vor einen wichtigen Aspekt im Schaffen des Künstlers dar.
1955 lernte Alechinsky die chinesische Tusche-Malerei kennen, deren Technik er unter Anleitung von Walasse Ting studierte und für seine Arbeiten übernahm: Das Papier wird flach auf dem Boden ausgebreitet und mit Tusche und Pinsel unter Einsatz des ganzen Körpers bearbeitet.
Nachdem er zunächst mit Ölfarben gemalt hatte, führt er seit Mitte der 60er Jahre seine farbigen Kompositionen meist in Acrylfarbe, die für den spontanen Auftrag auf dünnes Papier besonders geeignet ist, aus.
Bei seinen teils auch sehr großformatigen Gemälden wendet der Künstler die asiatische Technik des Aufziehens von Papier auf Leinwand an: Das bemalte Papier wird nach Vollendung der Arbeit mit Hilfe von Malerleim mit der Leinwand verbunden („Marouflage“, von „maroufler“ (franz.) = mit Leim überziehen).
Die Arbeiten Alechinskys verbinden Expressionismus und Realismus. Er führt den Cobra-Gedanken auf individuelle Weise fort. Seine Arbeiten zeigen eine Synthese aus surrealistischen und figurativen Elementen: Der Künstler experimentiert mit Motiven unserer gegenständlichen Umwelt, mit Formen und Figuren, die einer surrealen Phantasiewelt entsprungen zu sein scheinen.
Alechinskys Bilder besitzen seit 1965 ein charakteristisches Kompositionsmerkmal: Eine in Tusche ausgeführte Randzone umlaufender Zeichnungen (Marginalien) umgrenzt einen Mittelteil in leuchtenden Acrylfarben. Die schwarz-weißen Randzeichnungen können auch, seit 1967, eine Predella unter der farbigen Hauptkomposition bilden. In den jüngsten Arbeiten sind die Randzonen oft farbig in Acryl gefaßt, während der Mittelteil eine Tuschezeichnung in äußerst reduzierter Farbigkeit zeigt. Nicht zuletzt die Randzonen offenbaren das große Interesse des Künstlers am Erzählerischen, erinnern sie auch an Bildergeschichten.
Alechinsky schafft eine Phantasiewelt, ohne zu einer rein gegenständlichen Darstellungsweise zu greifen. Er läßt mit seiner Sprache ein jeweils eigenes Universum entstehen - voller unvermuteter Begegnungen, ironischer Andeutungen und phantastischer Erfindungen.
