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Sjoerd Buisman |
Die Baukunst Galerie zeigte in ihrem ersten Projekt mit dem niederländischen Künstler Sjoerd Buisman unter dem Titel „Natur – Skulptur“ im Sommer 2002 (16. Mai–31. August) eine umfangreiche Ausstellung mit Skulpturen des Künstlers aus den letzten zwanzig Jahren. Die in den Räumen der Galerie und im Außengelände ausgestellten Arbeiten mittleren und großen, teils monumentalen Formats waren vor allem aus Bronze, aber auch aus Holz, Papier und Papier-mâché, Polyester, Bitumen oder Aluminium gefertigt. Arbeiten auf Papier und Fotografien gaben weiteren Einblick in das Schaffen des Künstlers. Auf der Art Cologne 2002 wurden die Papierskulpturen des Künstlers in einer Einzelschau im Bereich Köln Skulptur gezeigt.
Sjoerd Buisman wurde 1948 in Gorinchem in den Niederlanden geboren. 1965 bis 1967 studierte er an der Akademie van Beeldende Kunsten, Rotterdam. 1977 erfolgte, mit staatlichem Reisestipendium, ein Arbeitsaufenthalt in Südamerika. Zwischen 1974 und 1984 lehrte er als Dozent an den Kunstakademien in Rotterdam, ‘s-Hertogenbosch und Arnhem. Er ist Gastdozent an Kunsthochschulen in Schottland, Großbritannien und Belgien. Der Künstler lebt und arbeitet in Amsterdam und La Ferrière-Duval, Normandie. Buismans Werke sind in bedeutenden internationalen Museen und Sammlungen vertreten. Vor der Kölner Einzelschau wurden die Arbeiten des Künstlers im Rijksmuseums Twenthe in Enschede präsentiert; zu beiden Ausstellungen ist ein gemeinsamer Katalog erschienen.
Buismans Arbeiten entstehen in einer engen Verbindung zwischen Natur und Kunst: Die Natur liefert ihm Material, daß er formt, zerschneidet und neu zusammensetzt, beispielsweise Zweige verschiedenster Pflanzen, von Eglanteria (Weinrose), Silphium, Kirsche oder Haselnuß, Baumscheiben oder auch junge Bäume oder Früchte, deren Wachstum er durch das Anlegen von Gurten, etc. manipuliert. Die entstandenen Objekte bilden seit Ende der achtziger Jahre in vielen Arbeiten erst einen Zwischenschritt, von dem der Künstler wiederum Abgüsse in patinierter Bronze erstellt. Andere Arbeiten erinnern nur an pflanzliche Strukturen, in auf das Wesentliche reduzierter Form wiedergegeben. So erscheinen Pyramiden aus zylindrischen oder kubischen Formen wie Gewächse, verästeln sich wie Bäume, andere Elemente sind angeordnet wie sich öffnende Blüten. Vorbild aus der Natur ist bei den meisten dieser Werke der Phyllotaxis (Staudensellerie): Die komplexe konzentrische Struktur der Anordnung seiner Blätter ist häufiger Ausgangspunkt für die abstrahierten Kompositionen von Buismans Skulpturen. Daneben gibt es Skulpturen, die nicht auf einem direkten Vorbild aus der Natur zu beruhen scheinen: Buismans Plastiken aus Papier und Papier-mâché beziehen sich jedoch in ihrem langwierigen, schichtweisen Entstehungsprozess auf pflanzliche Wachstumsprozesse und erinnern in der Struktur ihrer Seitenansicht an die Jahresringschichtungen von Baumscheiben.
Ein Grundschema bildet in vielen Arbeiten Buismans die Form der Spirale; sie läßt sich deuten als Bild des endlosen Kreislaufs der Natur, die immer wieder erneutes Wachstum hervorbringt. So verwendet Buisman für seine Werkgruppe spiralförmiger Konstruktionen aus Ästen die Bezeichnung „Ouroboros“, den griechischen Namen der Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, einem Symbol für Unendlichkeit.
In Buismans Arbeiten auf Papier wird die intensive Beschäftigung mit Phänomenen der Natur fortgesetzt. Die fotografische Arbeiten des Künstlers dokumentieren seine Projekte mit lebenden Pflanzen, einen weiteren wichtigen Teil seines künstlerischen Schaffens: Wachtumsprozesse, oft unter experimentell manipulierten Bedingungen, wurden vom Künstler über die Zeit beobachtet. Zeit, die in hohem Maße eine Rolle bei Buisman Arbeiten spielt, ist im Bild festgehalten.
Auch die Plastiken aus Bronze bewahren einen bestimmten Zustand der Naturerscheinungen, transformieren Arbeiten aus fragilen Materialien in Werke von Dauer. Buisman wendet eine der Technik des „cire perdue“ vergleichbare Methode an, bei der die natürlichen Materialien als direkte Modelle genutzt werden und im Guß verbrennen, so daß die einzigartige, unwiederholbare Form der natürlichen Vorlage direkt und detailgenau ersetzt ist durch das Einzelstück eines bronzenen Originals.
Sjoerd Buisman nutzt Natur als Werkstoff und Inspirationsquelle seiner künstlerischen Arbeit. Er läßt die Natur mitgestalten, beteiligt sie an Entstehungsprozessen, erforscht ihre Gesetze und Strukturen und formt sie weiter nach seinen Vorstellungen. Die Ergebnisse seiner Arbeit ermöglichen einen neuen Blick auf Natur und Strukturen von Natur.
